
Aus der Praxis · 2014
Auf den Punkt
„Also… bist du Coach?“ „Beraterin?“ „Kommunikationstrainerin?“ Diese Fragen höre ich oft, wenn Menschen erfahren, was ich beruflich mache. Die kurze Antwort lautet: ein bisschen von allem – und gleichzeitig etwas anderes. Denn selten geht es in meiner Arbeit um ein einzelnes Problem. Meist geht es um Systeme: Familien, Schulklassen, Teams oder Partnerschaften, in denen sich Missverständnisse, Überforderung und unausgesprochene Erwartungen langsam zu festen Mustern verdichten. Ich arbeite dort, wo Kommunikation, Emotionen und neurodiverse Lebensrealitäten aufeinandertreffen – besonders dann, wenn der Alltag nicht mehr nur anstrengend, sondern dauerhaft erschöpfend geworden ist. Warum Konflikte oft nur die Oberfläche sind, weshalb viele Ratschläge ins Leere laufen und warum Verständnis manchmal mehr verändert als jede Strategie.
Wenn Menschen hören, was ich beruflich mache, folgt oft eine kurze Pause.
Dann kommt eine der typischen Fragen:
„Also… bist du Coach?“
„Beraterin?“
„Kommunikationstrainerin?“
Die ehrliche Antwort lautet: ein bisschen von allem – und gleichzeitig etwas anderes.
Meine Arbeit bewegt sich genau an der Stelle, an der Kommunikation, Emotionen, Beziehungen und neurodiverse Lebensrealitäten aufeinandertreffen. Dort, wo Alltag nicht mehr nur Alltag ist, sondern sich festgefahrene Muster, Überforderung, Missverständnisse und Erschöpfung bemerkbar machen.
Viele Menschen kommen nicht zu mir, weil sie ein einzelnes Problem lösen möchten.
Sie kommen, weil etwas im System nicht mehr funktioniert.
Und genau dort beginnt meine Arbeit.
Ich arbeite nicht mit „Problemen“. Ich arbeite mit Systemen.
Wenn ein Kind ständig wütend wird, wird schnell das Kind zum Problem erklärt. Wenn Eltern erschöpft sind, denken sie oft, sie machen etwas falsch. Wenn Kommunikation eskaliert, glauben viele Menschen, sie müssten nur „besser reden lernen“. Die Realität ist meist komplexer. Familien sind Systeme. Schulklassen und Teams sind Systeme. Partnerschaften sind Systeme. In jedem System beeinflusst jedes Verhalten mehrere Ebenen gleichzeitig: Emotionen, Erwartungen, Kommunikation, Stress, Vergangenheit, Rollen und unausgesprochene Bedürfnisse. Meine Aufgabe ist es, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen. Nicht, um Schuld zu verteilen. Sondern um Verständnis zu schaffen. Denn sobald Menschen verstehen, warum etwas passiert, verändert sich oft schon die Art, wie sie damit umgehen.Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, Druck aus Situationen zu nehmen
Viele Eltern, mit denen ich arbeite, haben bereits unzählige Ratschläge gehört. Mehr Konsequenz. Mehr Struktur. Mehr Geduld. Mehr Regeln. Mehr Verständnis. Die Liste ist lang. Was dabei häufig fehlt, ist ein Blick auf das, was im Hintergrund wirkt: Überlastung, emotionale Dysregulation, neurobiologische Besonderheiten oder Kommunikationsmuster, die sich über Jahre eingeschlichen haben. Gerade in Familien mit ADHS entsteht schnell ein Kreislauf aus Reizüberflutung, Konflikten und Selbstzweifeln. Kinder geraten in emotionale Überforderung, Eltern versuchen zu regulieren – während sie selbst bereits erschöpft sind. Hier arbeite ich vor allem an drei Ebenen:- dem Verstehen von ADHS und neurodiversen Reaktionsmustern
- der emotionalen Regulation im Alltag
- einer Kommunikation, die Verbindung ermöglicht statt Druck zu erzeugen
Kommunikation ist selten das eigentliche Problem
Viele Konflikte wirken zunächst wie Kommunikationsprobleme.- Ein Kind hört nicht zu.
- Ein Partner fühlt sich nicht verstanden.
- Ein Team redet aneinander vorbei.
- Wer fühlt sich gesehen?
- Wer fühlt sich übergangen?
- Wer trägt gerade zu viel Verantwortung?
- Wer versucht eigentlich nur, nicht weiter zu eskalieren?
Ein weiterer Teil meiner Arbeit besteht darin, Perspektiven zu übersetzen
Besonders deutlich wird das bei Kindern mit ADHS. Viele ihrer Reaktionen wirken für Außenstehende unlogisch, impulsiv oder übertrieben. Doch aus der inneren Perspektive des Kindes ergibt vieles davon Sinn. Emotionen entstehen schneller. Reize werden intensiver wahrgenommen. Frustration lässt sich schwerer regulieren. Meine Aufgabe ist es oft, genau zwischen diesen Perspektiven zu vermitteln. Ich übersetze gewissermaßen zwei Sprachen:- die Sprache der Eltern, die versuchen zu strukturieren und zu stabilisieren
- und die Sprache der Kinder, die oft schlicht überfordert sind
Ich arbeite präventiv – nicht erst, wenn Systeme bereits zerbrechen
Ein wichtiger Teil meiner Arbeit liegt auch in der Prävention. Das betrifft zum Beispiel Themen wie:- Mobbing und soziale Dynamiken in Gruppen
- Konfliktkommunikation in Schulen und Teams
- emotionale Selbstregulation
- gewaltfreie Kommunikation im Alltag
- neurodiversitätssensible Begleitung von Kindern
