Viel zu viele Menschen haben während ihres Arbeitslebens mindestens einmal mit Mobbing zu tun. Knapp drei Prozent aller ArbeitnehmerInnen wird mindestens einmal im Arbeitsleben aktiv oder passiv Opfer einer solchen Tat zwischen Kollegen, im Form von Bossing (Mobbing von Chef zu Arbeitnehmer) oder Staffing (Mobbing vom Arbeitnehmer zum Chef). Frauen sind dabei deutlich öfter von Mobbing betroffen als Männer. Unklar ist jedoch, ob das nicht vielmehr in der seitens der Frauen höheren Bereitschaft begründet liegt, über derartige Erfahrungen zu sprechen.

Die Auswirkungen sind so vielfältig wie die Vorgehensweisen.

Was ist Mobbing?

Das englische Wort to mob bedeutet bedrängen, attackieren, angreifen. In den 1990er Jahren wurde diese Begrifflichkeit schließlich in die Arbeitswelt übernommen. Per Definition liegt Mobbing vor, wenn jemand über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten hinweg mindestens einmal pro Woche diskriminiert, schikaniert, angefeindet oder angegriffen wird. Ziel ist es, bestimmte Personen auszugrenzen und im besten Fall zu entfernen.

Ein Part fühlt sich dem anderen überlegen und lässt diesen das spüren. Typisch ist eine konfliktbelastete, feindselige Kommunikation oder vollständige Ignoranz. Während alle anderen freudig begrüßt werden, wird das Mobbingopfer keines Blickes gewürdigt. Auch eine Ungleichbehandlung, etwa bei Urlaubsanträgen, Schichteinteilungen oder in Personalgesprächen ist typisch.

Wenn auch nicht hilfreich, so ist es dennoch interessant zu wissen: Mobbing ist selten in einem Problem zwischen Mobber und Mobbingopfer begründet. Vielmehr werden Ängste, Unsicherheiten und (private) Probleme auf das Opfer projiziert.

Anzeichen von Mobbing

Typisch für (beginnendes) Mobbing ist die plötzliche Verstummung aller Beteiligten, sobald eine Person den Raum betritt. Auch unsachliche Andeutungen oder die bewusste Streuung von Gerüchten sind erste Anzeichen. Oft wird ein Mobbingopfer nicht gegrüßt, ein von ihm ausgehender Gruß wird nicht erwidert. Aussagen des Opfers werden falsch wiedergegeben und hinter seinem Rücken – oder auch im Beisein – wird negativ gesprochen.

Im betrieblichen Rahmen wird die Weitergabe von Informationen eingestellt, die Zusammenarbeit boykottiert. Kleine Fehler und Unachtsamkeiten werden aufgebauscht. Das Mobbingopfer bekommt unwichtige Arbeiten zugeteilt. Mitunter kann der Arbeitsplatz an eine ungemütliche Stelle verschoben werden.

Folgen von Mobbing

Die Folgen von Mobbing sind sehr unterschiedlich. Empirisch belegt ist, dass Gesundheitsbeeinträchtigungen eine Folge von Mobbing sind. Es können psychische wie physische Beschwerden auftreten. Schlafstörungen, Angespanntheit und Nervosität etwa sind sehr häufig, auch Angstzustände, Panikattacken und eine stete Unruhe werden oft beklagt.
Physisch kommt es oftmals zu Kopfschmerzen, Magenschmerzen bis hin zum Geschwür, Magen-Darm-Beschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erschöpfung bis hin zur Depression sowie weiteren chronischen Krankheitsverläufen.

Was kann man tun, wenn gemobbt wird?

Als Opfer eines Mobbers ist man einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt. Der erste Schritt ist daher, dafür zu sorgen, dass Opfer und Mobber nicht mehr alleine sind. Oftmals wird ein Mobber davon absehen, auf sein Opfer loszugehen, sobald andere Personen anwesend sind.

Dennoch ist es empfehlenswert, den Täter unter vier Augen auf seine Umgangsweise anzusprechen. Konflikte und deren Ursachen müssen besprochen werden. Das Zugehen auf den Mobber zeugt von selbstsicherem Auftreten und macht deutlich, dass sich das Opfer den Schikanen nicht mehr beugen wird.

Auch bei den Kollegen ist es ratsam, nach dem Grund für das etwaige Verstummen zu fragen.

Opfern wird daher empfohlen, ein Mobbing-Tagebuch zu führen. Wenn Zeugen anwesend sind, ist das von Vorteil, sollte es zu einem Gerichtsverfahren kommen. Doch auch Aufzeichnungen, etwa mit dem Handy, können hilfreich sein, Juristisch in letzter Instanz, aber auch schon für Gespräche mit dem Mobber, dem Chef oder dem Betriebsrat bzw. der Mitarbeitervertretung.

Außerhalb des geschäftlichen Umfelds können Freunde oder eine Selbsthilfegruppe eine gute Anlaufstelle bieten. Auch Coachings, einzeln oder auch mit dem Mobber zusammen in Form einer Mediation, sind hilfreiche Optionen. Wenn das nicht ausreichend ist, sind Therapeuten und Psychologen geschulte Experten, Opfern wieder zurück in die Normalität zu helfen.

Ergänzend sollte ein aktiver Stressabbau stattfinden. Sport, autogenes Training, Yoga oder was auch immer dem Opfer hilft, Stress jeglicher Art zu reduzieren.

Perspektiven und Alternativen

Sollte die Situation nicht ausreichend gebessert werden können, ist eine typische Reaktion die Kündigung.

Alternativ gibt es die Möglichkeit, juristische Schritte einleiten zu lassen. Das jedoch gestaltet sich oftmals als besonders schwierig. Bislang wird Mobbing noch nicht als Straftat vor dem Gesetz geahndet. Es ist daher immer der Einzelfall zu prüfen. Das wiederum bedeutet, dass das Mobbingopfer verpflichtet ist, die Straftat und insbesondere die Vorsätzlichkeit und Rechtwidrigkeit derer nachzuweisen.